Feinschliff für angehende Fachwarte - Baumschnitt-Tag in Hambrücken

Beim Baumschnitt-Tag in Hambrücken am vergangenen Samstag erhielten die angehenden Fachwarte und Interessierte aus erster Hand Informationen von Günter Kolb.

Die Bandbreite reichte dabei von der Pflanzung über die Düngung bis zur Pflege sowie die richtige Schnitttechnik. Zunächst pflanzten die 20 Teilnehmer fachgerecht einen Obstbaum der Sorte „Melrose“. Die Melrose ist eine Sorte des Kulturapfels, Mitte Oktober pflückreif und bis März lagerfähig, war zu hören. Zwischendurch wurden von Günter Kolb theoretische Kenntnisse einer fachgerechten Pflanzung abgefragt und der erste Erziehungsschnitt durchgeführt. Die angehenden Baumwarte interessierten sich auch für die am Obstlehrpfad der Gemeinde aufgestellten Bienenstöcke. Anton Kremer, Vorsitzender des Bezirksimkervereins Philippsburg erläuterte, die Verbindung Obstlehrpfad und Bienenstand passe gut zusammen. Durch die Bestäubungsleistung der Bienen würden mehr und schönere Früchte erzielt, was auch Günter Kolb in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Bezirks-Obst- und Gartenbauvereins Bruchsal und einer der Hauptreferenten der Ausbildung zum Fachwart für Obst und Garten bestätigte. Als Werbung für die Natur sei der Standort entlang des rund zwei Kilometer langen Rundweges gut gewählt, stellte Gemeinderat Egon Drexler, selbst Fachwart und Mitinitiator der Wiederbelebung des Lehrpfades fest. Mit den ausgehöhlten Pappelstämmen wolle man an die natürliche Lebensweise der Bienen erinnern, als diese vor der im 19. Jahrhundert beginnenden Imkerei auf hohle Baumstämme für ihre Behausungen angewiesen waren. Die Volksführung ist sehr naturnah, wird aber durch Rähmchen im Deutschen Normalmaß unterstützt, so der Fachmann. Beide Völker durften letztes Jahr schwärmen. Der Versuch, einen Schwarm im mittleren Baumstamm anzusiedeln, gelang leider nicht. Dieser sollte dort die Behausung im „Wildbau“ (ohne Rähmchen) selbst herstellen. Der Königin und ihrem Volk war die Behausung anscheinend nicht gut genug. Die Völker wurden gegen die Varroamilbe behandelt und sind gut durch den Winter gekommen. Wie stark die Völker jetzt sind, zeigt sich erst beim nun wiederbeginnenden Bienenflug. Danach widmete man sich der Schnitttechnik an den Obstbäumen. Mit entsprechendem Schneidwerkzeug wie Astschere, Stangensäge oder Schneidegiraffe und Leitern machte man sich auf. Bevor die angehenden Fachwarte an einem Baum die Säge ansetzten, machten sie eine sogenannte Baumansprache. Wäre ein Baum ein Mensch und der Fachwart ein Arzt, würde man von einer Anamnese sprechen. Sie bestimmten Sorte und Alter, überlegten zu weit oder zu dritt, wo die Säge anzusetzen ist. „Ein regelmäßiger Erziehungsschnitt verlängert die Lebenserwartung des Baumes um zehn bis 20 Jahre“, stellte Kolb fest. Das Problem bei älteren Bäumen sei die Fruchtlast. Ältere Bäume verkahlen innen, die Früchte bilden sich an den äußeren Enden der Äste. Das könne zu Astbruch führen. Indem weit nach außen ladende Äste entfernt werden, kommt der Baum der Idealform einer Pyramide näher. „Man arbeitet sich dann von oben nach unten“, so der Experte. Anschließend wurde die vorhandene Benjeshecke mit dem Schnittgut aufgewertet. Zum Abschluss wurde seitens der Gemeinde noch zu einem kleinen Vesper mit gemeinsamem Austausch an der Grillhütte eingeladen.(jk)

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